Carl Carls

Carl Carls aus Varel - Deutscher Schachmeister und erfolgreicher Banker
Unter den Namen der Gründer des Schachklubs Varel von 1896 erscheint auch der des damals noch 16-jährigen Carl Carls.

Am 16. September 1880 als Sohn des Bäckermeisters Johann Carl Carls geboren und unter dem Namen Johann Carl Margott C. in das Kirchenregister eingetragen, verlebte er die ersten Jahre seiner Kindheit zusammen mit einer Schwester und einem Bruder in seinem Elternhaus in der Haferkampstraße Nr. 27. Später, als sein Vater den Posten eines Vorstandes und "Controlleurs" beim Vareler Vorschuß- und Creditverein eingenommen hatte, zog die Familie in das Haus am Marienlustgarten 12.

Mit 13 Jahren erlernte Carl C. das Schachspiel und war deswegen glücklich, als er während seiner Ausbildung im Büro der Maschinentorfabrik Varel von seinem Chef R. J. Ruschmann die Erlaubnis erhielt, in der abonnierten Frankfurter Zeitung die - ganzseitige! - Schachspalte zu lesen. So konnte er mit seinem Freund Georg Warneke das große Meister-Turnier in Hastings 1895 verfolgen, an dem fast alle großen Schachspieler der damaligen Zeit - wie Pillsbury, Tschigorin, Lasker, Tarrasch und Steinitz - teilgenommen haben - nicht ahnend, daß er mit vielen dieser bekannten Schachmeister in seinem späteren Leben noch um den Sieg am Schachbrett ringen würde.

In diese Zeit - am 11. Mai 1897 - fällt die Gründung des Schachklubs Varel, in dem Carl C. die Position des Bibliothekars übernahm und in dieser Funktion auch eine Schachspalte in der Vareler Tageszeitung "Der Gemeinnützige" leitete. Seine Spielstärke verbesserte Carls durch Fernschachpartien - per Postkarte - mit Gegnern in ganz Deutschland und freute sich natürlich, als er als 16-jähriger bei einer Reise zu seinen Fernschachpartnern beim Schachklub Palamedes in Hamburg und in Altona von 15 gegen starke Gegner gespielten Partien nur 2 verlor.

Ein großes Erlebnis für den jungen Carls war seine Teilnahme am Hauptturnier des Deutschen Schachbundes im August 1898 in Köln, wo er Gelegenheit hatte, eine Reihe der damaligen Schachgrößen persönlich kennen zu lernen.

Als Erfolg ist sein Stichkampf um den Sieg in der Gruppe III zu werten, auch wenn er ihn verlor.

1899 war das "Schachidyll" in Varel - wie er selbst sagte - zu Ende. Es folgten 7 Jahre als Bankangestellter in Hannover, die für Carls sowohl in beruflicher wie auch schachlicher Hinsicht von großer Bedeutung waren. Hier in Hannover spielte er mit vielen bekannten Schachspielern und steigerte seine Spielstärke, so dass er schon damals als einer der stärksten Schachspieler Nordwestdeutschlands galt.

Aber auch diese Zeit ging zu Ende: 1906 ging Carl Carls nach Bremen, wo er sich eine selbstständige Existenz als Mitbegründer der Bremer Kreditbank aufbaute und zunächst durch die hohe berufliche Belastung von der Teilnahme an Turnieren, wie er es von Hannover aus gemacht hatte, absehen musste.

Aber das Schachspiel holte ihn wieder ein: 1910 erfolgreiche Teilnahme an einem Meisterturnier in Hamburg, 1911 Teilnahme an einem Meisterturnier in Köln mit Erlangung des Titels "Deutscher Meister" und 1912 Teilnahme an einem internationalen Meisterturnier in Breslau, in dem er trotz insgesamt unbefriedigendem Ausgang zwei schöne Siege erringen konnte, einmal gegen den Großmeister Tarrasch, der 1908 mit Lasker um die Weltmeisterschaft gespielt hatte, und zum ändern gegen den damals schon sehr stark spielenden Großmeister Spielmann aus Wien.

Aus dieser Zeit stammt auch die in allen Lehrbüchern enthaltene originelle Kurzpartie gegen den seinerzeit bekannten Schachmeister Schuster, den Carls nach 11 Zügen zur Aufgabe zwang.

Nach Ende des ersten Weltkrieges kamen die Turniere nur langsam wieder in Gang. Der Hamburger Schachklub veranstaltete die erste Deutsche Schachmeisterschaft nach dem Kriege im Jahr 1921, wo Carls den geteilten 5. und 6. Platz erkämpfte.

Bei der Deutschen Meisterschaft in Oeynhausen 1922 belegte er den 2. Platz.

1927 spielte er erfolgreich bei einem Turnier in London mit und 1928 in Den Haag bei einem Amateur-Weltturnier. Nachdem er in diesen Jahren verschiedentlich in der Deutschen Nationalmannschaft mitgespielt hatte, ging 1934 endlich sein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: 1. Platz bei der Deutschen Meisterschaft in Aachen und damit "Meister von Deutschland". 1942 nahm er am Wertungsturnier in Rostock teil und belegte hier gegen ein starkes Feld den ersten Platz vor dem später gefallenen Klaus Junge, der damals auf der Höhe seines jungen Ruhmes stand.

Während all dieser Zeit war Carl Carls aus Varel in Bremen Mitglied der Bremer Schachgesellschaft, wo durchweg ein bemerkenswertes Schachleben herrschte. Hier spielte er mit seinem Schachfreund Dr. Oscar Antze sowie Dr. Hartlaub, Brinkmann, Hilse u.a., die alle eine bedeutende Spielstärke hatten.

Hier in Bremen entstand auch die sogenannte "Bremer Partie", eine Eröffnung, die durch den Doppelschritt des c-Bauern gefolgt von der Flankenentwicklung des Königsläufers gekennzeichnet ist. Carls entwickelte, verfocht und verfeinerte diese Eröffnung während seines ganzen Schachlebens und hat als Spieler mit den weißen Steinen fast ausschließlich so begonnen, was dazu führte, dass ihm einmal ein Scherzbold vor einer Turnier-Partie, bei der Carls mit den weißen Figuren zu spielen hatte, den c-Bauern am Brett festklebte.

Carls musste sich auf eine solche Eröffnung spezialisieren, weil ihm seine berufliche Belastung nicht die Zeit für umfangreiche theoretische Studien ließ, wie es andere Meister taten und tun.

In seinem Beruf als Direktor der Bremer Kreditbank hat Carl Carls trotz der schweren Zeiten Erfolg gehabt und zur Entwicklung seiner Bank wesentlich beigetragen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, nach dem 2. Weltkrieg fusionierte sie zum Bankverein Bremen. 1946 schied Carls nach Erreichen der Altersgrenze aus dem Berufsleben aus.

Dabei blieb Carls während seines ganzen Lebens ein wegen seines einfachen und bescheidenen Wesens allseitig beliebter Mann, der sich insbesondere durch seine Hilfsbereitschaft und seinen Gerechtigkeitssinn auszeichnete.

Die FIDE, die Welt-Schachorganisation, verlieh ihm 1951 wegen seiner anerkannten Erfolge den Titel "Internationaler Meister".

1954 nahm Carls noch einmal an einem Turnier teil: an der Landesmeisterschaft des Schachverbandes Weser-Ems, die in Varel, der Geburtsstadt von Carl Carls, stattfand und vom Schachklub Varel v. 1896 vorbildlich durchgeführt wurde. Carls teilte sich als ältester Teilnehmer mit dem jüngsten Teilnehmer Seegebrecht aus Wilhelmshaven den ersten und zweiten Platz. Egon Ditt aus Bremen, später Vorsitzender des Deutschen Schachbundes, kam damals auf den 3. Platz.

Am 11. September 1958, kurz vor Vollendung seines 78. Lebensjahres, verstarb Carl Carls in Bremen. Mit seinen schachlichen Erfolgen verkörpert Carl Carls aus Varel ein Stück nicht nur Bremer sondern auch deutscher Schachgeschichte. Schach hat in Varel eine lange und bemerkenswerte Tradition.